Drei Wochen DSGVO: Deutsche zweifeln an Wirksamkeit

65 Prozent der Deutschen finden Datenschutzerklärungen zu umfangreich, kompliziert und unverständlich. Jeder Zweite bestätigt Cookie-Hinweise, ohne sie zu lesen, und nur 17 Prozent glauben, dass ihre Daten besser geschützt werden.

15. Juni 2018 von Christian Friemel

Drei Wochen DSGVO: Bringt die EU-Verordnung wirklich mehr Datenschutz? (c) Shutterstock

Seit drei Wochen ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Die  überwiegende  Mehrheit der Deutschen (87 %) hat von den neuen EU-weiten Regelungen zum Schutz personenbezogener Daten gehört. Jeder Zweite weiß aber nicht, was sie im Einzelnen für ihn bedeuten. Nur 17 % sind der Meinung, dass ihre Daten jetzt besser geschützt werden. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die die Marktforschung von IP Deutschland im Auftrag der European netID Foundation durchgeführt hat. Die Befragung erfolgte vom 7. bis 8. Juni unter 1.081 Erwachsenen im Alter von 16 bis 59 Jahren.

Jeder Zweite klickt einfach „Okay”

Um den Anforderungen der DSGVO gerecht zu werden, haben Unternehmen, Selbstständige, Behörden und Vereine ihre Hinweise zum Datenschutz überarbeitet und transparenter gestaltet. Diese Informationen bewerten 65 % der Befragten als zu umfangreich, kompliziert und unverständlich. Seit Start der DSGVO informieren viele Internet-Seiten verstärkt über die Verwendung von Cookies. Die kleinen Textdateien, die auf dem lokalen Rechner der Nutzer gespeichert werden, dienen beispielsweise zur Personalisierung von Inhalten und Werbung sowie zur optimierten Darstellung von Shop-Angeboten. Jeder Zweite bestätigt diese Cookie-Hinweise einfach mit „Okay“, ohne die Erläuterung zu lesen. Im Gegenzug löschen fast genauso viele Nutzer die Cookies mindestens einmal wöchentlich.

„Das Inkrafttreten der DSGVO hat dazu geführt, dass das Internet mit Cookie-Hinweisen geflutet wurde. Viele Nutzer reagieren einfach mit Bestätigen. Das Problem ist nun, dass viele ihre Cookies automatisch oder manuell löschen und damit auch die Cookie-Zustimmungen zurücksetzen. Dabei bleibt das Surferlebnis auf der Strecke. Denn bei jedem erneuten Besuch einer Seite müssen die Cookies wieder und wieder bestätigt werden“, sagt Jan Oetjen, Vorsitzender des Stiftungsrats der European netID Foundation.

Unter dem Namen netID stellt die European netID Foundation einen offenen Industriestandard bereit, mit dem jede Website in Europa ihren Nutzern einen sicheren und datenschutzkonformen Log-in bieten kann. (c) European netID Foundation

Unter dem Namen netID stellt die European netID Foundation einen offenen Industriestandard bereit, mit dem jede Website in Europa ihren Nutzern einen sicheren und datenschutzkonformen Log-in bieten kann. (c) European netID Foundation

Mehrheit erwartet kaum Konsequenzen bei US-Anbietern

Die Mehrheit der Befragten (61 %) ist der Ansicht, dass Unternehmen zukünftig ebenso viele Daten sammeln werden wie bisher, dies aber transparenter darstellen werden. Auch die US-Konzerne haben ihre Datenschutzhinweise an das neue EU-Recht angepasst. Konkret nach den Auswirkungen der DSGVO auf die amerikanischen Internet-Unternehmen befragt, erwarten 58 % keine Konsequenzen. Fast jeder Fünfte (19 %) glaubt, dass sie ihre Macht weiter vergrößern werden. 17 % vermuten, dass sie Nutzer verlieren werden.

Nach ihren Wünschen an die Unternehmen und die DSGVO befragt, nennen 63 % mehr Transparenz, welche Daten erhoben werden. 45 % wünschen sich einheitliche Lösungen, die ihre persönlichen Einwilligungen auf allen Webseiten speichern und anwenden. „Die Wünsche der Befragten machen deutlich, dass die Betreiber von Webseiten den Nutzern noch besser erklären müssen, wofür sie ihre persönlichen Daten benötigen. Aus Nutzersicht ist eine einfach bedienbare und übersichtliche Verwaltung seiner Einwilligungen zur Datenerhebung nach einem einheitlichen Standard wünschenswert. Dies würde seine Datensouveränität stärken und gleichzeitig das Surferlebnis verbessern“,  sagt Jan Oetjen.

Über die European netID Foundation

Die European netID Foundation wurde im März 2018 von Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 und United Internet mit den Marken WEB.DE und GMX gegründet. Als unabhängige Instanz soll die Stiftung Internet-Angebote aller Branchen bei der Umsetzung des neuen europäischen Datenschutzrechts unterstützen und hat dazu den offenen Log-in-Standard netID geschaffen. Mit dieser Single-Sign-On-Lösung etabliert die Stiftung ein übergreifendes Registrierungs- und Anmeldeverfahren im Internet. Ziel ist eine einfache und sichere Lösung, die die Einwilligungen zur Nutzung von Internet-Diensten (Opt-ins) datenschutzkonform und transparent organisiert. Mit netID können Nutzer branchenübergreifend auf die Internet-Angebote der European netID Foundation und ihrer Partner mit denselben Log-in-Daten zuzugreifen. Die Stiftung wacht über die Einhaltung und Weiterentwicklung des Standards und ist explizit offen für weitere Partner und andere Initiativen. Der offene Log-in-Standard netID wird im Sommer starten. Die Initiatoren der Stiftung erreichen zusammen rund 50 Millionen Internet-Nutzer.

Kategorie: Mail