Der Trump-Effekt: Das digitale Misstrauen wächst

Bei den Deutschen wächst die Unsicherheit im Internet. 61,2% glauben, dass ihre E-Mails von Geheimdiensten oder Hackern mitgelesen werden. Mehr als die Hälfte der Befragten hat stärkere Bedenken, persönliche Daten bei US-Anbietern zu speichern. Dies führt zu einem steigenden Interesse an Verschlüsselung und einer erhöhten Bereitschaft, zu einem deutschen E-Mail-Anbieter zu wechseln. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Convios Consulting GmbH im Auftrag von WEB.DE und GMX.

22. Mai 2017 von Christian Friemel
Seit der Wahl von Donald Trump steigen die Datenschutzbedenken der Deutschen gegenüber US-Anbietern (c) WEB.DE

72,5% der Befragten haben Bedenken gegenüber US-amerikanischen Unternehmen in Sachen Datenschutz und Privatsphäre. Damit liegt die Besorgnis auf ähnlich hohem Niveau wie 2013 nach den Enthüllungen von Edward Snowden (73,8%). Mehr als die Hälfte der Deutschen gibt an, dass ihre Datenschutzbedenken gegenüber US-Anbietern seit der Wahl von Donald Trump deutlich zugenommen (26,2%) oder zugenommen haben (26,7%). Für 44,8% sind die Bedenken gleich geblieben. Nur 2,2% haben weniger Vorbehalte.

„Die Bedenken, persönliche Daten bei US-Anbietern zu speichern, sind seit Jahren auf einem hohen Niveau. Durch die Wahl von Donald Trump hat sich diese Situation weiter verschärft“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von WEB.DE und GMX.

Wenig Illusionen machen sich die Deutschen hinsichtlich ihrer Privatsphäre. Nur 4,4% verneinen die Frage, ob ihre E-Mails von Geheimdiensten, Hackern oder ihrem Provider mitgelesen werden. 61,2% glauben, dass es geschieht. 72,1% empfinden das als schlimm oder sehr schlimm, 2015 lag dieser Wert mit 64,2% deutlich niedriger.

 

Verschlüsselung wird wichtiger – 750.000 Schlüssel bei WEB.DE und GMX

Angesichts der gefühlten Bedrohung  der Privatsphäre wächst das Interesse an Verschlüsselungstechniken wie PGP. Drei Viertel der Deutschen (74,9%) halten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für wichtig oder eher wichtig. 2015 waren es 69,3%. Allerdings wird E-Mail-Verschlüsselung erst von 16,1% der Befragten genutzt. Als Gründe für  den Verzicht werden hoher Installationsaufwand (37,6%) und mangelnde Kenntnis (36,6%) genannt.

Ergänzend zur Convios-Umfrage geben WEB.DE und GMX aktuelle Zahlen zur PGP-Nutzung bekannt: Aktuell haben rund 750.000 Nutzer der beiden Anbieter eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Basis des offenen Standards „Pretty Good Privacy“ eingerichtet. WEB.DE und GMX haben im August 2015 eine deutlich vereinfachte PGP-Verschlüsselung eingeführt. Zum Vergleich: Weltweit gibt es nach der Statistik von Keyservers.net rund 4,7 Millionen Schlüssel.

E-Mail-Marktanteile 2017

Das wachsende Misstrauen in US-Anbieter sorgt dafür, dass die Wechselbereitschaft steigt: Knapp die Hälfte der Befragten (47,2%) will sicher oder vielleicht zu einem deutschen Anbieter wechseln. 2015 waren es 40,3%. Sicherheit und Schutz der eigenen Daten sind Entscheidungsgrund Nummer eins bei der Auswahl eines E-Mail-Anbieters; rund 96% der Befragten nannten 2015 und 2017 diese Kriterien.

Die Tendenz zur E-Mail made in Germany zeigt sich auch bei der Frage, welchen Anbieter die Deutschen am meisten nutzen. Mit zusammen 50% Marktanteil  sind GMX (25,4%) und WEB.DE (24,8%) Deutschlands führende Anbieter. Auf dem dritten Platz folgt mit T-Online (13,1%) ein weiteres deutsches Unternehmen. Die US-Anbieter Google-Mail (9,7%) und Outlook.com von Microsoft (7,4%) landen auf den Plätzen vier und fünf.

Zur Methodik: Die Convios Consulting GmbH untersucht seit 2009 regelmäßig für GMX und WEB.DE das Kommunikationsverhalten der deutschen Internet-Nutzer. Für die aktuelle Studie wurden im März 2017 und damit zwei Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump über 1.000 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt.

Eine Präsentation mit weiteren Ergebnissen in der grafischen Darstellung finden Sie hier.