Sechs Jahre DSGVO: Wenig genutzte Rechte, viel Frust über Datenschutzformulare und Cookie-Banner

Sechs Jahre nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) haben erst 35 Prozent* der Deutschen ihre Rechte in Anspruch genommen. Dafür kann bereits mehr als jeder Zweite (57 %*) auf schlechte Erfahrungen mit den Datenschutzformularen zurückblicken und 38 Prozent sind von Cookie-Bannern genervt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag von GMX und WEB.DE.

24. Mai 2024 von André Fertich

Foto: iStock

Das Recht auf Vergessenwerden, Auskunft über gespeicherte Daten und die Mitnahme von Daten zu einem anderen Anbieter – die sogenannten Betroffenenrechte der DSGVO sollen den Verbrauchern mehr Kontrolle über ihre Daten geben. Zur Anwendung kommen sie in der Praxis nur selten. So haben 16 Prozent der Deutschen schon einmal Unternehmen aufgefordert, ihre Daten zu löschen oder nicht mehr zu verarbeiten. Auskunft über gespeicherte Daten haben 11 Prozent verlangt. Jeweils 9 Prozent haben ihr Recht auf Datenmitnahme genutzt oder eine Kopie der gespeicherten Daten angefordert. 12 Prozent der Befragten kennen ihre DSGVO-Rechte nicht.

Mehrheit ist schon einmal auf problematische Datenschutzbestimmungen gestoßen

Seit der DSGVO-Einführung müssen Verbraucher einer Verarbeitung ihrer Daten immer per Unterschrift oder Klick zustimmen. Nur 20 Prozent der Deutschen haben keine negativen Erfahrungen mit diesen Formularen gemacht. Insgesamt 57 Prozent* sind schon einmal bei problematischen Formulierungen stutzig geworden, 19 Prozent der Befragten ist dies sogar häufig passiert. Mehr als jeder Zehnte (11 %) akzeptiert Datenschutzbestimmungen, ohne sie zu lesen.

„Die Umfrage zeigt, dass viele Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung an den Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher vorbeigehen. Die seit sechs Jahren grassierende Unterschrifts- und Klick-Müdigkeit ist das Gegenteil der angestrebten digitalen Souveränität. Daher sollte die DSGVO dringend entbürokratisiert werden“, sagt Michael Hagenau, CEO von GMX und WEB.DE.

 

 

Cookies werden am häufigsten abgelehnt, jeder Fünfte akzeptiert alles mit einem Klick

Für besonderen Frust sorgen die Cookie-Hinweise, die im Zuge der DSGVO auf Webseiten eingeführt wurden: 38 Prozent der Deutschen sind davon genervt. Mit 37 Prozent am häufigsten lehnen die Befragten alle Cookies ab, wenn dies möglich ist. 22 Prozent nehmen Änderungen an den Cookie-Einstellungen vor und 21 Prozent akzeptieren alles mit einem Klick. Für ein kostenpflichtiges „Pur“-Abo, das die Webseitennutzung ohne Cookie-Tracking ermöglicht, haben sich bisher vier Prozent der Deutschen entschieden.

Zur Methode: Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2123 Personen zwischen dem 30.04. und 02.05.2024 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

*Das Ergebnis stellt einen aggregierten Wert dar.

Kategorien: News, Pressemitteilungen

Verwandte Themen

Von streng bis gelassen: Das sind die häufigsten Datenschutztypen in Deutschland

Von Leichtsinn kann keine Rede sein: Sechs Jahre nach Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind die meisten Deutschen achtsam im Umgang mit ihren Daten bei Online-Diensten und auf smarten Geräten. Je nach Einstellung und Risikobereitschaft lassen sich vier Typen unterscheiden: die stets wachsamen Datenschutzwächter, die mainstream-orientierten Vorsichtigen, die neugierigen Kompromissbereiten und die gelassenen Unbeschwerten. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von GMX und WEB.DE zeigt, wie diese Typen in der deutschen Bevölkerung vertreten sind. mehr

Umfrage: Cloud überholt erstmals USB-Stick als privater Datenspeicher

Die private Cloud-Nutzung setzt sich weiter durch: 24,2 Prozent der Deutschen sichern ihre Daten online. Damit überholt die Cloud in diesem Jahr erstmals den USB-Stick (23 %) als persönliches Speichermedium. mehr