Interview: „Der Tresor ist ein Impuls für die Cloudnutzung”

Mit dem Tresor bieten Deutschlands größte E-Mail-Anbieter WEB.DE und GMX ihren Nutzern die Möglichkeit, Daten sicher in der Cloud zu verschlüsseln. Im Interview spricht Geschäftsführer Jan Oetjen über den Wert der digitalen Privatsphäre, die Bedeutung von Bedienkomfort und die Besonderheiten der neuen Cloud-Verschlüsselung.

27. November 2017 von Christian Friemel
Per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichert der Tresor sensible Daten ab- ©Shutterstock
Per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichert der Tresor sensible Daten ab- ©Shutterstock

Sie führen für die E-Mail-Portale mit dem Tresor eine Möglichkeit zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Warum?

GMX und WEB.DE legen großen Wert auf die Privatsphäre der Nutzer, Verschlüsselung ist hier ein wichtiger Baustein. Nach Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für E-Mail vor rund zwei Jahren ist die Cloud-Verschlüsselung nun der konsequente nächste Schritt. Hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit bietet die Cloud gegenüber einer Speicherung auf Laptop, Smartphone, USB-Stick oder externer Festplatte eine Menge Vorteile. Datenverlust ist durch mehrfach abgesicherte, georedundante  Rechenzentren praktisch ausgeschlossen, dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die Daten vor fremdem Zugriff sicher geschützt. Der Hauptvorteil der Cloud – flexibler Zugriff von jedem Endgerät – kommt jetzt voll zum Tragen. Damit wollen wir einen weiteren Impuls für die Cloud-Nutzung setzen.

Jan Oetjen ist Geschäftsführer von WEB.DE und GMX. © WEB.DE

Jan Oetjen ist Geschäftsführer von WEB.DE und GMX. © WEB.DE

Die Möglichkeit zur Cloud-Verschlüsselung gibt es bereits durch Drittanbieter. Worin liegt die Besonderheit ihrer Lösung?

Eine Verschlüsselung über externe Software kann man natürlich weiterhin nutzen. Unser Ziel war es, unseren Kunden eine wirklich einfache und komfortable Cloud-Verschlüsselung anzubieten. Genau wie schon unsere PGP-Lösung für das sichere Verschlüsseln von E-Mails ist der Tresor in die E-Mail-Konten integriert, es entsteht kein zusätzlicher Konfigurationsaufwand. Man benötigt nur ein kostenloses E-Mail-Postfach bei WEB.DE oder GMX und muss bei der Ersteinrichtung ein Tresor-Passwort vergeben, das ist alles. Der Nutzer kann so einfach wie bisher und mit gewohnt hoher Geschwindigkeit auf seine verschlüsselten Dateien zugreifen. Wichtig war uns bei der Wahl der Technik auch, dass wir mit dem Cryptomator von Skymatic eine branchenweit anerkannte, geprüfte Open-Source-Lösung einsetzen.

Für welche Anwendungen eignet sich eine verschlüsselte Cloud?

Eine Verschlüsselung bietet sich für sehr persönliche Daten an, die wirklich kein Dritter sehen sollte. Das können Kopien wichtiger Urkunden sein, private Fotos, Rechnungen, Verträge, Kontoauszüge sowie urheberrechtlich zu schützende Dokumente wie Manuskripte und kreative Entwürfe, aber auch ärztliche Diagnosen oder Röntgenaufnahmen.

Wie stark hat sich die Cloud in Deutschland bereits durchgesetzt? Welche Rolle spielen WEB.DE und GMX?

Wir gehen davon aus, dass rund die Hälfte der Deutschen bereits Daten in der Cloud speichert. Dabei wird auf eine Vielzahl von Anbietern – deutschen wie amerikanischen – zurückgegriffen. Der Markt ist derzeit noch fragmentiert, und die Kunden speichern nur einen Teil ihrer Daten in der Cloud. Von den 35 Millionen Kunden, die bei GMX und WEB.DE ein Postfach haben, nutzt ca. die Hälfte bereits den Cloud-Speicher, der unsere E-Mail-Angebote ergänzt. Mit der Erweiterung der Sicherheitsfunktionen wollen wir die Nutzung weiter steigern. Neben der Verschlüsselung ist ein starkes Argument für unsere ‚Cloud made in Germany‘ , dass sämtliche Daten in deutschen Rechenzentren gespeichert werden und damit dem strengen deutschen Datenschutz unterliegen. Damit grenzen wir uns deutlich von den nicht europäischen Lösungen ab.