Trump-Effekt fürs Internet: Misstrauen gegenüber US-Anbietern auf neuem Rekordniveau

Das digitale Misstrauen gegenüber US-Internetfirmen ist in Deutschland so hoch wie nie: Drei von vier Deutschen (77%) haben Bedenken (40%) oder zum Teil Bedenken (37%), private Daten wie Dokumente, Fotos, Videos, Chat-Nachrichten oder E-Mails auf Servern in den USA zu speichern. Wichtigster Treiber für diese Verunsicherung: Die Präsidentschaft von Donald Trump.

19. Januar 2018 von Christian Friemel
Donald Trumps Präsidentschaft beeinflusst das Internetverhalten der Deutschen. (c) Shutterstock)
Donald Trumps Präsidentschaft beeinflusst das Internetverhalten der Deutschen. (c) Shutterstock)

Rund die Hälfte der Befragten (48%) gibt an, dass ihre Datenschutzbedenken im letzten Jahr zugenommen (20%) oder sogar deutlich zugenommen (28%) haben. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der beiden größten deutschen E-Mail-Anbieter GMX und WEB.DE hervor.

„Das erste Jahr von Trumps Präsidentschaft hat bei den deutschen Internet-Nutzern deutliche Spuren hinterlassen. Die Bedenken, persönliche Daten bei US-Anbietern zu speichern, haben mit 77 % ein neues Rekordniveau erreicht. Damit sind noch mehr Internetnutzer um Ihre digitale Privatsphäre besorgt als zum Zeitpunkt der NSA-Enthüllungen im Jahr 2013. Damals lag der historische Höchstwert bei 74 %“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von WEB.DE und GMX.

Sensible Daten bleiben vermehrt in Deutschland

Das Misstrauen spiegelt sich im Verhalten der deutschen Internetnutzer wider: Rund ein Sechstel (17%) der Befragten gibt an, sensible Daten vermehrt bei deutschen Anbietern zu speichern; ein weiteres Sechstel (16%) verzichtet seit der Amtseinführung von Donald Trump häufiger auf die Nutzung US-amerikanischer Social-Media-Dienste wie Instagram, Snapchat oder Facebook. Sieben Prozent der Umfrageteilnehmer sind im vergangenen Jahr zu einem deutschen E-Mail-Anbieter gewechselt oder erwägen diesen Wechsel momentan, und sechs Prozent haben damit begonnen, ihre E-Mails zu verschlüsseln.

Mehr Macht für Geheimdienste, weniger Datenschutz

Auch den kommenden Jahren von Trumps Präsidentschaft sehen die Deutschen eher skeptisch entgegen: Ein Drittel (35%) ist überzeugt, dass die Überwachung von Internetnutzern in Deutschland und Europa durch US-Geheimdienste ansteigen wird. Für ein weiteres Drittel (30%) steht fest, dass der Präsident die US-Geheimdienste mit mehr Befugnissen ausstatten wird, und jeder Fünfte (22%) ist überzeugt, dass US-Firmen vermehrt gezwungen werden, für diese Geheimdienste Hintertüren in ihre Datenbestände einzubauen. Insgesamt befürchtet knapp jeder Dritte (28%), dass sich das Datenschutzniveau der US-Internetdienste verschlechtern wird. Lediglich einer von elf Befragten sieht in Zukunft keine Veränderung beim Datenschutz, und nur zwei Prozent der Umfrageteilnehmer haben den Eindruck, dass sich das Datenschutzniveau verbessern wird.

Eine grafische Auswertung der Umfrage erhalten Sie hier.

Alle Daten sind von der YouGov Deutschland GmbH bereitgestellt. An der Befragung zwischen dem 12.01. und dem 15.01.2018 im Auftrag von GMX und WEB.DE nahmen 2.048 Personen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (Alter 18+).