„Deutschland als Verschlüsselungsstandort etablieren“

Zur CeBIT 2016 geben WEB.DE und GMX bekannt, dass bereits eine halbe Million Nutzer die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingerichtet hat. Geschäftsführer Jan Oetjen spricht im Interview über die Hintergründe.

14. März 2016 von Martin Wilhelm

"WEB.DE und GMX haben in den letzten drei Monaten genauso viele Schlüssel ausgegeben wie alle Keyserver weltweit", sagt WEB.DE und GMX Geschäftsführer Jan Oetjen. (c) WEB.DE

Anfang des Jahres hat eine Bitkom-Studie der PGP-Verbreitung in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Verschlüsselung in Deutschland komme nicht so recht voran, so der Verband. Wie viele Nutzer haben bei WEB.DE und GMX denn schon PGP eingerichtet?

Jan Oetjen: Die Bitkom-Umfrage hat mich überrascht. Meine Wahrnehmung ist das komplette Gegenteil. Aktuell haben bereits 500.000 Kunden unserer Dienste PGP eingerichtet. Wenn man bedenkt, dass unsere Lösung erst knapp sieben Monate am Markt ist, finde ich diesen Wert sehr beachtlich.

Wie stellt sich diese Zahl im weltweiten Vergleich dar?

Jan Oetjen: Es ist schwer, hier mit harten Vergleichszahlen zu operieren. Einen internationalen Überblick und eine Einordung liefert die Webseite Keyserver.net. Demnach gibt es auf der Welt aktuell rund 4,2 Millionen PGP-Schlüssel. In den letzten drei Monaten kamen rund 180.000 Schlüssel hinzu. Die gute Nachricht: WEB.DE und GMX haben im gleichen Zeitraum genauso viele Schlüssel ausgegeben wie alle Keyserver weltweit.

Wie schätzen Sie die Position von Deutschland ein?

Jan Oetjen: Nach Expertenschätzungen gab es vor dem Start von PGP bei WEB.DE und GMX ca. 250.000 bis 300.000 PGP-Schlüssel in Deutschland. Mit den 500.000 zusätzlichen Nutzern bei WEB.DE und GMX sollten wir uns in Deutschland langsam der Millionenmarke nähern. Im Vergleich mit den weltweit gut 4 Millionen Schlüsseln wäre Deutschland in führender Position.

In Deutschland gibt es mittlerweile einige Anbieter, die PGP eingeführt haben. Andere, wie die Telekom und Fraunhofer, stehen kurz davor. Wie beurteilen Sie den Wettbewerb?

Jan Oetjen: Seit den Snowden-Enthüllungen ist Verschlüsselung auf der Agenda aller ernsthaften Mail-Anbieter, aber nicht alle haben bisher Lösungen im Angebot. Wir freuen uns über jeden Anbieter, der PGP integriert, denn das erhöht die Reichweite des Standards, hilft allen Anbietern und sorgt für die Sensibilisierung der Nutzer. Mit vereinten Kräften werden wir dazu beitragen, Deutschland als Verschlüsselungsstandort zu etablieren.

Kategorien: News, Sicherheit

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